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| BVG verprellt Fahrgäste
und Politiker Verkehrsunternehmen kämpft weiter um Preiserhöhung und kalkuliert bewusst mit weniger Fahrgästen. In der Diskussion um die nächste Tariferhöhung hat sich die BVG mit einem entsprechenden Beschluss ihres Aufsichtsrates schon hervorgetan. Nun verprellt sie Fahrgäste und Politiker. Nach Ansicht von Thomas Necker, BVG-Vorstand Betriebe, ist es unvereinbar, auf der einen Seite höhere Fahrgastzahlen zu erwarten, auf der anderen Seite eine Entschuldung des Unternehmens anzustreben. Anfang des Monats hatte sich Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) klar positioniert: Die vom BVG-Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden, dem Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) beschlossene Tariferhöhung (im Schnitt 3,4 Prozent) zum 1. Januar 2007 wird es nicht geben. Vielmehr sollen die Verkehrsunternehmen mittelfristig eine Tarifstruktur entwickeln, die Fahrgäste für den öffentlichen Nahverkehr gewinnt. "Um das zu erreichen, müssten wir zum Beispiel die Fahrpreise senken, Rabatt-Systeme einführen oder das Angebot auch auf unrentablen Strecken verbessern", sagt Necker. Das würde viel Geld kosten. "Wir können nicht gleichzeitig Fahrgastzahlen maximieren und das Betriebsergebnis optimieren." Verkehrspolitische Sprecher der Parteien im Abgeordnetenhaus sind verärgert. Die BVG habe den verkehrspolitischen Offenbarungseid geleistet, meint der verkehrspolitische Sprecher FDP-Fraktion Klaus-Peter von Lüdeke. Jutta Matuschek, Verkehrsexpertin der PDS: "Wir haben uns klar zur BVG als kommunalem Unternehmen bekannt. Die BVG ist verpflichtet, sich um ihre Kunden zu bemühen." Sie verweist auf Erfolge bundesdeutscher Nahverkehrsunternehmen. "Im Durchschnitt wurden erhebliche Fahrgastzuwächse verzeichnet", sagt sie. Nicht so im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Der Verbund, in dem die Verkehrsbetriebe der Region zusammengeschlossen sind, hat im ersten Halbjahr 2006 Fahrgäste verloren. "Oberste Zielsetzung für den Nahverkehr ist es, möglichst viele Fahrgäste zu befördern und neue dazu zu gewinnen", meint auch Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes. Der Aufsichtsrat des VBB, in dem auch die beiden Länder vertreten sind, wird in der kommenden Woche voraussichtlich die von der BVG und anderen Verkehrsunternehmen geforderte Tariferhöhung ablehnen. Nächster möglicher Termin wäre eine Erhöhung zum 1. April, vorausgesetzt, die Verkehrsunternehmen legen zur nächsten VBB-Sitzung im Dezember ein schlüssiges Konzept vor. Der VBB beauftragte eine Studie zum Mobilitätsverhalten der Berliner und Brandenburger und ihrer Toleranz gegenüber Preissteigerungen. Danach würden insbesondere Berliner Fahrgäste großen Wert auf Qualität und Service des ÖPNV legen, die Brandenburger auf ein gutes Verkehrsangebot. Die Preissensibilität der 5000 befragten Kunden wird in der Studie als "stark" bezeichnet. Bei einer Erhöhung des Einzeltickets um vier Prozent würde die Nachfrage in Berlin um 3,06 Prozent zurückgehen, bei acht Prozent Erhöhung würden 7,13 Prozent weniger Nachfrage erzielt. Doch diese Überlegungen sind für die BVG zweitrangig. Bereits 2003 und 2004 konnte das Unternehmen, wie sein Marketing-Chef Tom Reinhold bei einer ÖPNV-Tagung im vergangenen Jahr referierte, innerhalb von zwei Jahren durch Fahrpreiserhöhungen 70 Millionen Euro extra erzielen. Für den Fahrgastverband Igeb wird der Streit zwischen Finanz- und Verkehrspolitik auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen. "Man müsste die BVG von Altschulden entlasten, die sie nicht zu verantworten hat", sagt der Igeb-Vorsitzende Christfried Tschepe. Neue Kunden könne der ÖPNV bei mehr Tarifgerechtigkeit zwischen Gelegenheits- und Stammkunden erreichen. Monatskarten seien im bundesweiten Vergleich zu teuer, meint Tschepe. Berliner Morgenpost, 19.10.06 |
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| Fahrpreiserhöhung verboten Womit Kenner des Berliner Nahverkehrs bereits gerechnet haben, ist nun amtlich. "Eine Tariferhöhung zum 1. Januar 2007 wird es nicht geben", sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern. In den nächsten Monaten werde die Tarifstruktur überarbeitet, damit mehr Fahrgäste gewonnen werden können. Ideen gibt es bereits. Die geplante Tariferhöhung der BVG ist zunächst verboten. |
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