Grünen-Stadtrat beschimpft
Bürgerinitiativen
In einem Interview mit der Berliner Zeitung vom 12.06.09 unterstellt Grünen-Stadtrat
Kirchner den Bürgerinitiativen im Prenzlauer Berg einen "Grundhass
auf den Staat". Die BI Kastanienallee hat darauf einen Offenen Brief
an den Stadtrat geschrieben. Ein weiteres Schreiben wurde an die Grünen
geschickt. Die Partei wird um eine Erklärung gebeten:
OFFENER BRIEF
an den Stadtrat Jens-Holger Kichner
Bezirksamt Pankow
Sehr geehrter Herr Kirchner,
in einem Interview mit der Berliner Zeitung (12.06.09) unterstellen Sie
den Bürgerinitiativen im Prenzlauer Berg als „Kontrahenten“
Ihrer Umbauplanung Kastanienallee einen „Grundhass auf den Staat“.
Wir bedauern diese verbale Entgleisung und weisen sie entschieden zurück.
Wie Sie wissen, sind wir ganz im Gegenteil bemüht, die Interessen der
Allgemeinheit gegen diejenigen zu verteidigen, die diese Interessen aufs
gröbste missachten.
Ihre Behauptung ist unsinnig und beleidigt nicht nur die in das Verfahren
involvierten Bürgerinitiativen, sondern auch die inzwischen mehr als
8.000 Unterzeichner unseres Aufrufs gegen die Vernichtung der Kastanienallee.
Wie Sie wissen, hat sich auch der Pankower Bezirksverband der FDP öffentlich
gegen Ihre Pläne gewandt; mehrere BVV-Mitglieder anderer Parteien haben
uns ihrer Zustimmung versichert, aber auf die politische Großwetterlage
und auf Druck von Senats- und Landesebene hingewiesen – warum sie
nicht frei in ihren Entscheidungen seien.
Wir bedauern auch, daß Ihre Beschimpfungen unmittelbar auf eine Aussprache
zwischen Mitgliedern der Grünen und Vertretern der Pankower Bürgerinitiativen
folgen. Sie sind gegen den Geist, die konstruktiven Absprachen und Ergebnisse
dieser Versammlung gerichtet.
Wir können Ihnen von unserer Seite versichern, daß wir trotz
alledem an unserem Nein zu den vom Bezirksamt beschlossenen Umbauplänen
festhalten. Sie machen die Kastanienallee nicht sicherer, wie Sie wider
besseres Wissen behaupten, sondern wesentlich gefährlicher.
BI Kastanienallee
12.06.09 An den Vorstand
Die GRÜNEN - Pankow
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Kopfschütteln und Unverständnis nahmen wir die öffentlichen
Äußerungen des Stadtrats Kirchner in der Berliner Zeitung von
heute zur Kenntnis.
Wenn dies die "andere, besondere Art des Miteinander Umgehens im Prenzlauer
Berg" darstellt, die von ihrem Bundestagmandaten beschworen wurde,
dann haben wir offensichtlich den Geist ihrer öffentlichen Mitgliederversammlung
vom vergangenen Dienstag falsch verstanden.
In bester Rechtsaußen-Mentalität wird von jenem Herrn Kirchner
jeglicher anderen Meinung erst einmal Staatsfeindschaft unterstellt. Das
ist gelinde gesagt entweder bösartig oder kindisch – insbesondere,
da es sich um rein lokalpolitische Fragen handelt. Zumindest hat dieses
Statement niederes Stammtischniveau. Ein gewisse Kontrolle deutscher Behörden
durch den Volks-Souverän ist aber durchaus angebracht - da sehen wir
uns in einem Boot mit einigen ihrer Bundestagsabgeordneten und internationalen
Organisationen. Es ist schade, daß Herr Kirchner so bemerkenswert
merkwürdig reagiert - und den beschworenen Geist von Dienstag vernichtet.
Dass die Überprüfung lokalpolitischer Handlungen vor unabhängigen
Gerichten jedem staatstreuen Bürger offen steht, ist ein Grundprinzip
einer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung. Diese bejahen wir ohne
Vorbehalte.
Mitbürgern mit politisch anderen Ansichten unterstellen zumindest wir
Bürgerinitiativen im Prenzlauer Berg keine Staatsfeindschaft oder totalitäre
Gesinnung, wenn es dafür nicht belastbare Gründe gibt. Es ist
bedauerlich, dies erwähnen zu müssen.
Den Bürgerinitiativen wird von der „Sanierungs-Lobby“ als
letztes Argument oftmals eine „Angst vor Veränderungen“
vorgeworfen. Diese Angst vor Veränderung und vor einer realen lokalpolitischen
Beteiligung der Bürger (sollen wir sie hier auf das Grundgesetz und
die Antrittsrede unseres Bundespräsidenten Köhler, der auch mit
einigen grünen Stimmen gewählt wurde, verweisen?) ist wohl eher
in den Köpfen von einigen Lokalpolitikern - denn wir haben in allen
unseren Veröffentlichungen und Forderungskatalogen immer konstruktive
Veränderungsvorschläge gemacht.
Deswegen sehen wir die Äußerungen Herr Kirchners zwar als durchaus
zitierfähig für spätere öffentliche Auseinandersetzungen
im Buhlen um Wählerstimmen, aber nicht für einen konstruktiven,
kreativen Umbau der Kastanienallee.
Wir bitten um eine Erklärung.
Mit freundlichen Grüßen
BI Kastanienallee
12.06.09 BVV Pankow stimmt Umbau der
Kastanienallee zu Gemeinsame Stellungnahme
der BI Kastanienallee, der BI Wasserturm und der Unabhängigen Wählergemeinschaft
Prenzlauer Berg bezüglich der Zustimmung der BVV-Pankow zu den Umbauplänen
Kastanienallee. Wir verurteilen den schamlosen Opportunismus,
der die Allparteienkoalition Pankow dazu bewogen hat, den Plänen
des „grünen“ Stadtrats Kirchner zum Umbau der Kastanienallee
zuzustimmen. Die Bezirksverordnetenversammlung - die die Pläne im
ersten Anlauf mit der Begründung gestoppt hatten, die Planung mache
die Straße nicht sicherer, sondern gefährlicher – hatte
auch jetzt keinen Anlass zur Zustimmung. Die überarbeiteten Pläne
machen die Kastanienallee eher noch gefährlicher.
Der Grund, warum die Vertreter der Allparteienkoalition Pankow dennoch
zugestimmt haben, ist systemimmanent: wer so mit dem Rücken an der
Wand steht, kann wohl nicht mehr anders. Die Anweisungen kommen vom Senat
– die Lokalpolitiker parieren gegen besseres Wissen. Das erneute
Versagen der Pankower „Volksvertreter“ steht durchaus im Einklang
mit dem fortschreitenden Niedergang der Demokratie in der Nachwende-Republik.
Wie im Großen, so im Kleinen. Nichts wirkt derzeit so zerstörerisch
auf das demokratische Gemeinwesen, wie die vorgelebten Lotterexistenzen
der Allparteienkoalitionen und ihrer Epigonen.
Mehr als 6.000 Menschen haben den Appell der BI Kastanienallee gegen
die Umbaupläne unterzeichnet. Auch die Gewerbetreibenden der Straße
haben mehrheitlich dagegen gestimmt. Viele Menschen haben sich mehr als
ein Jahr für eine behutsame Sanierung und für verkehrsberuhigende
Maßnahmen eingesetzt. Sie wurden durchweg von Amts wegen belogen
und mit einem abgekarteten „Beteiligungsverfahren“ vorgeführt.
Gegen ein so hohes Maß an krimineller Energie kommt auch ein Bürgerbegehren
nicht an - weshalb wir davon Abstand nehmen.
Alle Betroffenen und Leidtragenden dieses amtlichen Bubenstücks
rufen wir dazu auf, der Pankower Allparteienkoalition - also allen Parteien,
gleich welcher Couleur - bei den kommenden Wahlen durch bewusst ungültiges
Wählen eine Rechnung für ihr anti-soziales Verhalten zu präsentieren.
BI Kastanienallee, BI Wasserturm, Unabhängige Wählergemeinschaft
Prenzlauer Berg
2. Juni 2009
Umbau Kastanienallee:
BI Kastanienallee appelliert an die Bezirksverordnetenversammlung
Pankow
Bürgerinitiative Kastanienallee
Berlin – Prenzlauer Berg
Sehr geehrte Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung, sehr geehrte
Mitglieder des BVV-Verkehrsausschusses, sehr geehrte Damen und Herren,
die Kastanienallee soll nach Plänen des Bezirksamts, der Senatsverwaltung
und der Sanierungsgesellschaft S.t.e.r.n.-GmbH umgebaut werden. Der Umbau
sollte ohne Bürgerbeteiligung stattfinden. Proteste von Bürgerinnen
und Bürgern bewirkten, dass Sie auf diesen Mangel aufmerksam wurden
und das Planungsverfahren stoppten.
Unter der Federführung des zuständigen Stadtrats, Herrn Kirchner,
wurde ein Beteiligungsverfahren entwickelt, das weder transparent noch
nachvollziehbar war.
Es wurden letztlich auch keine nennenswerten Veränderungen an dem
ursprünglichen Konzept vorgenommen, das zuvor von der Bevölkerung,
von unabhängigen Fachleuten und auch von Ihnen als gefährlich
eingestuft und verworfen wurde.
Auch die jetzt vorgeschlagene „Kompromisslösung“ –
durchgehendes Tempo 30-Gebot und Fußgängerampel an der Oderberger
Strasse – ändert nichts an der Tatsache, dass die Gehwege schmaler,
die Strasse breiter und somit für alle Verkehrsteilnehmer gefährlicher
wird. Der beiliegende Forderungskatalog unserer Bürgerinitiative
beschreibt die Gefahren, die durch die vorliegenden Umbaupläne in
der Kastanienallee entstehen und zeigt unspektakuläre, aber wirksame
Lösungsmöglichkeiten für die Sanierung der Kastanienallee
auf. Die bisher von Anwohnern und Gewerbetreibenden gesammelten rund 9.000
Unterschriften gegen den Umbau sprechen eine deutliche Sprache:
Der Umbau der Kastanienallee nach den vorliegenden Plänen ist in
keiner Weise vertretbar. Wir appellieren an Sie, diesen Plänen nicht
zuzustimmen.
Mit freundlichen Grüßen
BI Kastanienallee
Mai 2009
Stellungnahme der Bi Kastanienallee
zur „Erörterungsveranstaltung Umbau Kastanienallee“
am 02.04.09
Trotz des „größten jemals in Pankow durchgeführten
öffentlichen Beteiligungsverfahrens“ (Einleitungsworte von
Stadtrat Kirchner), hatten es die Veranstalter nicht für nötig
befunden, die Öffentlichkeit zur Erörterung ihrer Eingaben einzuladen.
Hätte die Bi Kastanienallee nicht öffentlich geworben, dann
wäre, mit Ausnahme der persönlich schriftlich Eingeladenen und
der „üblichen Verdächtigen“ vermutlich niemand gekommen.
So aber war die Lounge der GLS-Sprachenschule prall gefüllt mit etwa
100 korrekt informierten und motivierten Bürgerinnen und Bürgern,
Vertretern von Bürgerinitiativen und Fachleuten, plus der Entourage
des Sanierungslobbyisten S.t.e.r.n., sowie einem massiven Aufgebot des
Grünen-Ortsverbands Pankow.
Stadtrat Kirchner (Grüne) erläuterte auf Nachfrage, er und die
STERN GmbH hätten absichtlich die Öffentlichkeit über diesen
"Erörterungstermin" nicht informiert. Diese Aussage rief
doch einiges verblüfftes Erstaunen bei den Anwesenden hervor - schließlich
steht der grüne Stadtrat auch stellvertretend für die Prinzipien
seiner Partei, die eine (real stattfindende) Bürgerbeteiligung stets
als absolut demokratienotwendig hervorhebt.
Am Ende des Raums hatte die Bi-Carambolage ihren detaillierten 5 Meter
langen Gestaltungsplan und den Plan des Bezirksamts und Stadtrats ausgelegt,
damit im eins-zu-eins-Vergleich die Schwächen des einen und die Überlegenheit
des anderen Planes deutlich zutage treten konnten.
An den Seitenwänden der aus den Nähten platzenden GLS-Lounge
standen von Kindern gestaltete Tafeln; in einer Pause gab es Gelegenheit,
die aufgestellten Tafeln der Kinder zu betrachten. Die Kinder haben sich
wirklich einen Kopf gemacht. Mit viel Aufwand und Phantasie haben sie
sich überlegt, wie die Kastanienallee für sie nicht nur angenehmer,
sondern vor allem sicherer werden kann - doch die Vorschläge und
die Sicherheit der Kinder passen nicht in Kirchners wirre Konzepte –
aber immerhin sind sie werbewirksame Beweise einer Bürgerbeteiligung.
Zum Thema Kinderampel (eine frühe Forderung der BI-Kastanienallee)
hieß es bisher vom Stadtrat: Das steht im Zielkonflikt mit der geplanten
Beschleunigung der Tram. Jetzt aber plötzlich(!) heißt es:
"Das wird wohlwollend geprüft werden – nach dem Umbau".
Auch die von der BI-Kastanienallee als ganz zentral wichtig geforderte
Tempo-30-Zone in der gesamten Straße scheint jetzt plötzlich
auf die Gunst des Bezirksamts zu stoßen (vorher wurde stets auf
die "Hauptverkehrsaufgabe" der Kastanienallee hingewiesen sowie
die Zuständigkeit des Senats für solche Tempo 30-Entscheidungen).
Über Tempo 30 wird also nach dem Umbau vom Senat entschieden.
Auch die Vertreter von BIOS und Bi Carambolage mussten zur Kenntnis nehmen,
daß ihre Gestaltungspläne zwar sehr gelobt wurden, aber doch
inhaltlich verworfen werden „mussten“ – in der weiteren
inhaltlichen Diskussion zeigte sich überraschenderweise aber, dass
die Sanierungslobby die Pläne gar nicht gelesen hatte und sich auf
Aufforderung auch weigerte, diese im hinteren Teil des Raumes in Augenschein
zu nehmen. Die Bi Carambolage protestierte gegen soviel Heuchelei und
Desinteresse seitens des Amtes in deutlichen Worten.
Es zeigte sich in der Veranstaltung erwartungsgemäß bald, daß
sich am ursprünglichen Konzept sozusagen nichts geändert hat
– (alle grundsätzlichen Eingaben wurden eine nach der anderen
als nicht zielführend verworfen).
Die Kastanienallee soll breiter, die Straße schneller und der Verkehr
insgesamt gefährlicher werden soll – so lautet der Plan des
Amts.
Eine Parkbucht mehr oder weniger, ein Zentimeter mehr oder weniger Fußweg,
ein Fahrradbügel hier oder da - mit all diesen Nebenschauplätzen
versuchten die Vertreter des Pankower Sanierungskonglomerats das Publikum
totzuquatschen.
Dass es nach einem Umbau, wie er geplant ist, auf der Kastanienallee voraussehbar
zu tödlichen Unfällen kommen wird, das wollten die Amtsmänner
nicht besprechen.
(Momentan verzeichnet die Unfallstatistik, verglichen mit anderen Straßen,
keine überdurchschnittlich gefährliche Gesamtlage, speziell
für Fahrradfahrer, wie Amtsleiter Lexen noch einmal die Statistiken
zitierte.)
Es stellt sich deshalb die Frage, warum der jetzige (relativ sichere)
Zustand in einen absehbar lebensgefährlichen Verkehrswirrwarr überführt
werden sollte. Den Fahrradfahrern und Fußgängern nutzt die
Bezirksplanung in keiner Weise - es wurde nach unendlich zäher und
fast investigativer Befragung der Planer durch die Bürger klar, dass
das Konzept vor allem der BVG- und Autobeschleunigung dienen wird, während
die Fahrradfahrer wesentlich öfter als heute von in der zweiten Reihe
parkenden Autos zum Überqueren der Gleise gezwungen sein würden.
Auch Türöffnungsunfälle dürften genauso oft vorkommen
– bei der schnelleren Tram aber mit unabsehbaren Folgen.
Die von den Planern "lichte Breite" genannte reale Verkehrsbreite
der Straße (das ist die von den Fußgängern effektiv zu
querende Breite der Straße) wächst in den Planungen um 1,50
Meter auf dann 9 Meter (heute 7,50 Meter); bei frei fließendem Verkehr
hat man dann parallel 4 (beschleunigte) Fahrspuren (2 für Tram und
Auto, 2 für Fahrräder) – für die querenden Kinder,
älteren Mitbürger oder Gehbehinderte sicher oftmals eine Überforderung.
Sowohl der Stadtrat wie auch die Vertreter der Stern GmbH versuchten die
beteiligten Bürgerinitiativen vor dem Publikum zu diffamieren und
eines reinen Konfrontationskurses zu bezichtigen.
Die BI-Vertreter mussten sich mehrfach solche "offensichtlichen Lügen"
und "selektiven Zitate" zum Zwecke der Desinformation und Stimmungsmache
verbitten.
Stadtrat Kirchner war zusätzlich einigermaßen unangenehm überrascht,
dass die Bürgerinitiativen keine Neigung verspürten, seine ewiggleiche
Planung ein ums andere mal mit ihm zu diskutieren. Wörtlich beschwerte
er sich: "Wissen Sie, was soll ich davon halten (verliest die Stellungnahme
der BI-Kastanienallee vom Februar 09): "Die BI-Kastanienallee lehnt
die Pläne von Stadtrat Kirchner und der S.T.E.R.N.-GmbH weiterhin
kategorisch ab. … Herr Kirchner macht sich zum Sprachrohr des Pankower
Sanierungskonglomerats").
Viereinhalb Stunden nach Beginn der Veranstaltung brach Stadtrat Kirchner
die Veranstaltung entnervt ab. Per Zuruf lud der Stadtrat die noch Anwesenden
zur Fortsetzung der „Erörterungsveranstaltung“ ein. In
seinem Amtssitz in der Darßer Straße/Pankow soll am kommenden
Montag um 17 Uhr unter weitestgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit
weiter „diskutiert“ werden. Die Darßer Straße
liegt an einem Acker am Rande von Berlin. Wer kein Auto hat, kommt nur
umständlich hin und muß entsprechend früh aufbrechen.
Die Nachricht ist klar und eindeutig: Herr Kirchner und die S.t.e.r.n.-GmbH
wünschen keine weitere Öffentlichkeit. Nicht so viel und nicht
diese.
Und darum wird bezüglich dem weiteren Procedere explizit ausgeladen.
Die Veranstaltung war in nahezu jeder Hinsicht hochgradig peinlich für
die Veranstalter.
Ihre Pläne zeigten bei genauer Betrachtung so viele schwerwiegende
Mängel, dass ein Festhalten daran geradezu absurd wirken muss. Die
angeblich vorbildhafte demokratische Qualität des „größten
Beteiligungsverfahrens Pankows“ wirkt ebenfalls fast obszön:
Mit Taschenspielertricks, Lügen und windigen Manövern will sich
das Sanierungskonglomerat über die Runden retten. Am beabsichtigten
Fördermittelbetrug soll festgehalten werden – (das in Aussicht
stehende Geld war im Jahr 2008 von den zuständigen Senatsstellen
ursprünglich für die Sanierung des Stadtbades in der Oderberger
Str. schon zugesagt worden).
Diejenigen, die aus diesen und vielen anderen guten Gründen gegen
die vorliegende
Planung sind, werden auch weiterhin für eine Verbesserung der Verkehrssicherheit
und für das urbane Leben in der Kastanienallee kämpfen –
notfalls mittels eines demokratisch einwandfreien Bürgerbegehrens.
Bi-Kastanienallee
06.04.09
Aktueller Aufruf der Bi Kastanienallee
KOMMT ALLE
und sagt NEIN zur Vernichtung der Kastanienallee!
Die Sanierungsgesellschaft S.t.e.r.n.-GmbH, das Bezirksamt Pankow und
der Senat von Berlin wollen die Kastanienallee umbauen. Was den Anwohnern
und Gewerbetreibenden der beliebten Straße Lebensraum und Auskommen
ist, soll unter verschwenderischem Umgang mit Steuergeldern zu einer "Hauptverkehrsstraße"
gemacht werden:
Die Gehwege sollen verschmälert, die Fahrbahn verbreitert, der Verkehr
beschleunigt und die Kastanienallee zum lebensgefährlichen Straßenraum
umgebaut werden. Das Ganze ist ein ausgemachtes Horrorprojekt.
Ein vorgebliches „Beteiligungsverfahren“ sollte allen Interessierten
ermöglichen, persönliche Kommentare, Einwände und Vorschläge
in Schriftform abzugeben. Die Eingaben sind weder kontrollierbar, noch
bindend; planerische Veränderungen bleiben ausschließlich von
der Gunst des verantwortlichen Stadtrats Kirchner und dem federführenden
Sanierungslobbyisten S.t.e.r.n.-GmbH abhängig. Das Pankower Sanierungskonglomerat
will also freie Hand.
Wir fordern dagegen einen Stopp des geplanten Umbaus, der die Kastanienallee
nicht sicherer, sondern vor allen Dingen schneller und gefährlicher
macht. Wir fordern sofortige und dauerhafte Verkehrssicherheitsmaßnahmen
wie Tempo-30 und ein durchgehendes Überholverbot. Wir fordern eine
behutsame Reparatur der Gehwege für alle Nutzer und mehr Grün.
Die Planer haben für
Donnerstag / 2. April 09 / 17 Uhr (GLS-Campus,
Kastanienallee 82)
zur „Erörterungsveranstaltung“ eingeladen. Die „unterschiedlichen
Vorschläge und Einwendungen“, so heißt es im Einladungsschreiben,
„sollen erörtert und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden.“
Wir rufen zum Besuch dieser Veranstaltung auf. Kommt und sagt NEIN zur
Vernichtung all dessen, was die Kastanienallee heute ausmacht. Sprecht
dabei laut und deutlich, denn das Sanierungskonglomerat scheint auf beiden
Ohren taub zu sein!
Kommt alle und sagt NEIN zur Vernichtung der Kastanienallee!
Bi Kastanienallee / März 2009
Die „Interessengemeinschaft Gewerbetreibende Kastanienallee/Pankow“
und viele andere Initiativen, Organisationen, Parteien und Einzelpersonen
sowie 5.879 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Bi-Unterschriftenlisten
unterstützen die Forderungen der Bi Kastanienallee.
FDP fordert Erhalt der Kastanienallee
Der Ortsverband der FDP in Prenzlauer Berg gibt
zur geplanten Umgestaltung der Kastanienallee folgende Stellungnahme ab:
Die FDP in Prenzlauer Berg begrüßt eine Sanierung der Gehwege
an der Kastanienallee. Die Gehwege sind teilweise in einem maroden Zustand
und die Bedingungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen
sind nicht optimal. Ausbesserungsmaßnahmen zum Erhalt der Straße
sind daher unumgänglich. Sie dienen auch der Aufwertung und dem Erhalt
des Kiezes.
Die umfangreichen Pläne des Bezirksamtes zur Umgestaltung der Kastanienallee
lehnt die FDP Prenzlauer Berg jedoch ab. Dem Bezirksamt ist es nicht gelungen,
die Interessen der Verwaltung und die berechtigten Anliegen der Anwohner
und der Gewerbetreibenden in einen angemessenen Ausgleich zu bringen.
Die Interessen der Anwohner und der Gewerbetreibenden sind bisher nicht
ausreichend berücksichtigt worden. Die Pläne haben eine Verkleinerung
der Gehwege und eine deutliche Reduzierung der Parkplätze zur Folge.
Auch Stellplätze für Fahrräder werden wegfallen. Dies wird
erhebliche Auswirkungen für die anliegenden Gewerbetreibenden mit
sich bringen. Insbesondere die anspannende Parkplatzsituation wird zu
Umsatzeinbußen für Unternehmer und Gastronomen führen.
Anstatt vorhandene Parkplätze weiter abzubauen, bedarf es vielmehr
eines Konzeptes, um neuen Parkraum zu erschließen, mit dem Ziel
die Kastanienallee auch weiterhin für Konsumenten und Touristen attraktiv
zu erhalten. Die Anwohner und die ansässigen Unternehmen haben bereits
in den vergangenen Jahren immer wieder Umbaumaßnahmen im Straßenbau
erdulden müssen. Auch das Ziel, mehr Verkehrssicherheit zu erreichen,
wird durch die Pläne nicht verwirklicht. Es ist zu befürchten,
dass auf dem für Radfahrer vorgesehenen Streifen künftig Fahrzeuge
halten, um notwendige Anlieferungen für die Gewerbetreibenden vorzunehmen.
Dadurch würde sich die Situation für alle Verkehrsteilnehmer
erheblich verschärfen.
Für die FDP in Prenzlauer Berg gilt es, das einzigartige Flair der
Kastanienallee zu erhalten. Die Kastanienallee ist in den vergangenen
Jahren immer mehr zu einer Visitenkarte von Berlin und zu einem Anziehungspunkt
für Touristen aus aller Welt geworden. Dieser Standortvorteil darf
nicht leichtfertig verspielt werden.
Die FDP in Prenzlauer Berg fordert das Bezirksamt daher auf, von den Plänen
zum Umbau der Kastanienallee Abstand zu nehmen.
16. Februar 2009
http://www.fdp-prenzlauerberg.de/themen/kastanienallee.html
Bi lehnt Umbaupläne Kastanienallee weiterhin
kategorisch ab
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Stellungnahme der Bi Kastanienallee zum geplanten
Umbau der Kastanienallee und zum bezirklichen „Beteiligungsverfahren“
Am 20.01.09 veranstalteten das Bezirksamt Pankow, die S.t.e.r.n.-GmbH
und Mitglieder eines Planungsbüros eine „Informationsveranstaltung
zum Beteiligungsverfahren Erneuerung der Kastanienallee“. Stadtrat
Kirchner, der bei der ersten öffentlichen Vorstellung der Horrorpläne
zum „Umbau der Kastanienallee“ jede Bürgerbeteiligung
für überflüssig erklärt hatte, stellte ein jetzt doch
opportunes „Beteiligungsverfahren“ und eine „wesentlich
veränderte Umbauplanung“ vor.
Die neuen Pläne, die im Wesentlichen die alten sind, stehen fest.
Das vorgebliche „Beteiligungsverfahren“ ermöglicht allen
Interessierten, die Planung innerhalb einer festgelegten Frist einzusehen
und persönliche Kommentare, Einwände und Vorschlägen in
Schriftform abzugeben. Die Eingaben sind nicht bindend und auch wenn mögliche
Erörterungstreffen nach Fristende stattfinden werden, bleiben Veränderungen
ausschließlich von der Gunst Herr Kirchners und der Seinen abhängig;
das Pankower Sanierungskonglomerat hat also freie Hand.
Die Planung selbst kommt mit einer einzigen Neuerung daher: der „Fahrrad-Angebotsstreifen“
soll in der Breite auf 1,50 Meter reduziert werden. Dadurch soll Autos,
(die mehr als 1,50 Meter breit sind), das Parken in der zweiten Reihe
unmöglich gemacht werden, da sie sonst den Tramverkehr blockieren
würden. Die Planer behaupten, der „Angebotsstreifen“
bliebe den Radfahrern so durchgängig erhalten. Die Tram soll durch
den veränderten Straßenzuschnitt wesentlich schneller fahren
können. In der Praxis werden aber die Lieferanten der über 100
Gewerbe den vermeintlichen Radweg zum Be- und Entladen nutzen, und in
den tramfreien Intervallen natürlich auch andere Fahrzeuge. Das Fahrrad
muß dann wieder über die Gleise auf die – nun beschleunigte
– Straße ausweichen, und der Bremsweg der Tram verlängert
sich.
Diese Planung führt also nicht zu mehr Verkehrssicherheit. Sie ist
lebensgefährlich und ein Affront gegen alle Bürgerinnen und
Bürger, die sich für eine sinnvolle Sanierung, mehr Lebensqualität
und mehr Verkehrssicherheit in der Kastanienallee engagieren. Nach den
Versuchen des letzten Jahres, eine Planung an den Betroffenen vorbei zu
realisieren, kann heute niemand mehr auf die Gutgläubigkeit und Offenheit
von Herrn Kirchner in Bezug auf das „Beteiligungsverfahren“
vertrauen. Außer dem mit abschließenden Nörgelrunden
versehenen Kummerboxverfahren wurde vom Bezirk nichts weiter Beteiligendes
vorgeschlagen.
Die Bi Kastanienallee fordert weiterhin einen Stopp des geplanten Umbaus,
der die Kastanienallee nicht sicherer, sondern vor allen Dingen schneller
und gefährlicher macht. Wir fordern sofortige und dauerhafte Verkehrssicherheitsmaßnahmen
wie Tempo 30 und ein durchgehendes Überholverbot. Wir fordern eine
behutsame Reparatur der Gehwege und mehr Grün.
Stadtrat Kirchner vertritt die Interessen des Pankower Sanierungskonglomerats.
Wir lehnen sein Vorgehen und seine Pläne ab. Als Beteiligungsverfahren
fordern wir einen Runden Tisch Kastanienallee.
Bi Kastanienallee
05.02. 2009
Alter Wein in alten Schläuchen
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Neue Informationsveranstaltung zum geplanten Umbau
der Kastanienallee
Nach großem öffentlichen Protest gegen die vom Bezirksamt und
der S.t.e.r.n.-GmbH vorgelegten "Umbaupläne" trollten sich
die Planer und der politisch verantwortliche Stadtrat Kirchner aus der
Kastanienallee. Das Bezirksamt stoppte Kirchners Pläne und forderte
den grünen Stadtrat auf, zunächst einmal Bürgerbeteiligung
herzustellen. Kirchner hatte geglaubt es gehe ohne; Anwohner, Nutzer und
Gewerbetreibende der Kastanienallee hatten ihn zunächst eines Besseren
belehrt.
Nun unternimmt Herr Kirchner einen neuen Vorstoß. Am Dienstag, den
20. Januar findet um 19 Uhr (Aula der GLS-Sprachschule, Kastanienallee
82) eine "Informationsveranstaltung zum Beteiligungsverfahren Erneuerung
der Kastanienallee" statt. Veranstalter sind der grüne Stadtrat
und die S.t.e.r.n.-GmbH.
An der ursprünglichen Planung des Sanierungskonglomerats hat sich
nichts geändert. Die Pläne sind unsinnig und offensichtlich
aufs bloße Geldverdienen ausgerichtet. Der Unterschied zur Erstveranstaltung
ist der, daß Herr Kirchner jetzt einen Behindertenverband und eine
Kita eingespannt hat. Die sollen wohl einen Kontrapunkt zur einhelligen
Ablehnung der Planung durch die Betroffenen bilden, um einen S.t.e.r.n.-gefälligen
Umbau der Kastanienallee doch noch zu ermöglichen. Bisherige Vorschläge
von Beteiligten wie der Bi Kastanienallee werden in keinster Weise berücksichtigt,
es gibt nicht das geringste Bemühen, den alten Wein wenigstens in
neue Schläuche zu verpacken.
Die Bi Kastanienallee und die Bi Wasserturm rufen alle Betroffenen und
Interessierten zur Teilnahme an der skandalösen Veranstaltung auf.
Der Umbau der Kastanienallee wird auch weiterhin verhindert werden!
Zeit : Dienstag, den 20.01.2009, 19:00
Ort: Kastanienallee 82, GLS-Sprachschule
Senat stoppt "Umbau" der Kastanienallee
!
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Oderberger behält ihre Hochbeete - Umbau der
Kastanienallee um ein Jahr verschoben
Einen "fairen Kompromiss" nennt Frank Möller von der Anwohnerinitiative
Oderberger Straße (BIOS) die geänderten Pläne zum Umbau
der Straße. Alle Bäume bleiben stehen, aus den Hochbeeten,
die Anwohner angelegt hatten, werden mobile Blumenkübel. Ihre Pflege
übernehmen Anwohner. 2,5 Millionen Euro werden für neue Gehwege,
Plätze und Laternen verwendet.
Noch vor neun Monaten sollten alle Blumenbeete in der Oderberger verschwinden.
Anwohner protestierten, der "morbide Charme der Straße"
ginge verloren. Der Bezirk stoppte die Planung, es gab Umfragen und Workshops.
Unterstützung kam von den Verordneten: Das Grün der Straße
muss erhalten bleiben, lautete ihr Beschluss.
Zehn so genannte Gehwegvorstreckungen sollen das Überqueren der Straße
sicherer machen, Stadtplätze mit Bänken und Spielgeräten
und mehr Grünflächen wird es geben, dafür fallen 40 Parkplätze
weg. Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) lobt die "konstruktive
Zusammenarbeit mit den Anwohnern".
Doch in der Nachbarstraße Kastanienallee gibt es neuen Ärger.
Dort hat das Amt die Anwohner nicht hinreichend an den Umbauplänen
beteiligt. "Wir müssen das Planungsverfahren wiederholen",
fordert der SPD-Verordnete Roland Schröder. Der Bauausschuss hat
die Planungen gestoppt. Die Bewohner der Kastanienallee haben jetzt ein
Jahr lang Zeit zum Mitplanen. Der Senat hat den Umbau der Kastanienallee
auf 2010 verschoben. Dafür beginnt der Umbau der Oderberger Straße
jetzt ein Jahr früher als geplant, also 2009.
Berliner Zeitung
09.07.2008
Kastanienallee soll umgebaut werden
Das Bezirksamt plant einen Umbau der Kastanienallee. Eine Bürgerbeteiligung
fand üblicherweise nicht statt, denn "Hätte es eine Bürgerbeteiligung
gegeben, hätte das (an der Planung) auch nichts geändert"
(Stadtrat Kirchner auf einer Informationsveranstaltung am 03,06.08).
Was sind die Pläne?
die Fahrbahn soll verbreitert werden, damit ein Angebotsstreifen den Fahrradfahrern
ermöglicht, schnell und sicher die Straße zu befahren
die Autos sollen auf den jetzigen Fußweg zum parken umgesetzt werden,
zwischen die Kastanien, die (sic!) – alle stehen bleiben sollen
es werden also etwa 1.800 Quadratmeter Bürgersteig in Parkfläche
für Autos umgewandelt, gleichzeitig wird die Zahl der Stellplätze
in der Straße halbiert
der Fußweg soll deutlich schmaler werden, auf etwa 5 Meter statt
heute 8 Meter
die Zahl der Parkplätze soll von heute 150 auf etwa 80 reduziert
werden
die Parkplätze sollen nur noch für jeweils 2 Stunden belegt
werden dürfen
die Schankvorgärten sollen verschwinden oder stark rückgebaut
werden
Was sind die Gründe?
die BVG möchte schneller durch die Straße fahren
Fahrradfahrer sollen sicherer durch die Straße fahren
Was ist wirklich zu erwarten?
der Verkehr wird wesentlich beschleunigt werden, sowohl der von Autos
wie von der Tram
die Fahrradfahrer werden von "ihrem" Angebotsstreifen immer
wieder über die Gleise hinweg wegen kurz parkender Autos ausweichen
müssen, was die Sicherheit insgesamt stark verringern wird (z.Zt.
sei die Straße zwar unfallträchtig, aber es seien keine schweren
Unfälle zu verzeichnen, sagt der Bauamtsleiter – das wird sich
dann ändern) die Fußwege werden stark verengt, so dass kaum
mehr ein Straßen-Cafeleben oder ein Flanieren wie heute möglich
sein wird.
Das ganze ist ein ausgemachtes Horrorprojekt, gegen das sich Anwohnerinnen,
Anwohner und Gewerbetreibende der Kastanienallee zur Wehr setzen. Eine
Bürgerinitiative wurde gegründet, die die Pläne des Bezirksamts
vollständig ablehnt und nun Gegenpositionen und Forderungen formuliert
hat, die mit dem Bezirksamt verhandelt werden sollen.
Ein erstes Gespräch wird es am Mittwoch, den 25.06.08 geben. Über
die Ergebnisse des Gesprächs werden wir zeitnah berichten.
Bi-Wasserturm
23.08.08
Umbau der Kastanienallee - Gegenpositionen und
Forderungen der Anwohnerinnen, Anwohner
und Gewerbetreibenden
Die vom Bezirksamt und der Sanierungsgesellschaft S.T.E.R.N. entwickelten
Pläne zum Umbau der Kastanienallee wurden auf einer Informationsveranstaltung
am 3. Juni 2008 erstmals öffentlich vorgestellt. Es zeigte sich bereits
hier, dass die Pläne bei den vor Ort Betroffenen auf breite Ablehnung
stießen. In der Folge haben wir – Anwohner und Anwohnerinnen
und Gewerbetreibende – uns zu einer Initiative zusammengeschlossen.
Uns eint die Unzufriedenheit sowohl mit dem vorliegenden Konzept als auch
mit dem bisherigen Verfahrensverlauf, während hinsichtlich alternativer
Lösungen unter uns ein klarer Konsens besteht. Noch dazu sind wir
der Auffassung, dass unsere Positionen von den hier lebenden und arbeitenden
Menschen wesentlich und mehrheitlich geteilt werden, wie es bisherige
Reaktionen deutlich gemacht haben.
Ausgangslage und grundsätzliche Positionen
Die Kastanienallee ist eines der Berliner Szene-Gebiete von internationalem
Ruf und insofern ein bedeutsamer Wirtschaftsstandort. Diese erfreuliche
Situation geht nicht zuletzt auf die hier lebenden und arbeitenden Menschen
zurück. Sie sind es auch, die die Qualitäten und Eigenheiten
dieser Strasse am besten einschätzen können.
Um das vorhandene Flair nicht aufs Spiel zu setzen, muss die Strasse als
sensibles Terrain wahrgenommen und mit Nachhaltigkeit behandelt werden.
Das heißt, dass die Bedeutung der Strasse nicht überwiegend
in ihrer verkehrsmäßigen Bedeutung gesehen werden kann - etwa
im Sinne einer 'Transitstraße'.
Dass die Verkehrslage in der Kastanienallee nicht unkompliziert ist und
dass es keine perfekte Lösung geben kann, ist unstrittig. Den Angaben
des BA zufolge verzeichnet die Kastanienallee in der derzeitigen Situation
zwar eine hohe Anzahl von Unfällen, darunter jedoch nur wenige schwerwiegende
Unfälle.
Wir sind grundlegend der Meinung, dass der Status Quo nahe am erreichbaren
Optimum ist und befürworten deshalb lediglich geringfügige Veränderungen.
Auch wenn die bestehende Verkehrssituation einen chaotischen Eindruck
erwecken mag, funktioniert sie offenbar erstaunlich gut. Die Intensität
des Verkehrsgeschehens sorgt dafür, dass hier Verkehrsteilnehmer
i. d. R. mit erhöhter Aufmerksamkeit am Verkehr teilnehmen. Und mit
den kürzlich vorgenommenen Fahrrad-Markierungen zwischen den Trambahngleisen
ist eine erhebliche Verbesserung der Lage eingetreten.
Anstatt auf dieser erfolgreichen Entwicklung aufzubauen, soll nun ein
gänzlich neues Konzept kommen. Die geplanten Maßnahmen halten
wir aus verschiedenen Gründen für fehlgeleitet, für übertriebene
Eingriffe, mit denen die Sache voraussichtlich verschlechtert statt verbessert
wird. Nachfolgend ist die Kritik im Einzelnen dargelegt.
Verkehrssicherheit (Radfahrer)
In Punkto Verkehrssicherheit wird argumentiert, dass durch den Angebotsstreifen
für Radfahrer deren Verkehrssicherheit erhöht wird. Das klingt
zunächst einleuchtend. Man muss jedoch damit rechnen, dass die Fahrradspur
niemals durchgängig befahrbar sein wird, so wie es die Theorie gerne
hätte. Schon jetzt ist es so, dass der motorisierte Liefer- und Besucherverkehr
wegen Platzmangel alle sich bietenden Stellen nutzt. Die geplante Fahrradspur
wird davon nicht ausgenommen sein, erst recht nicht, wenn das Parkplatzangebot
wie geplant weiter reduziert wird. In der Folge werden Radfahrer genötigt
sein auf den Fußweg oder auf die Fahrbahn für Tram und Autos
auszuweichen. Da der Verkehr ohne regulär stattfindenden Fahrradverkehr
beschleunigt wird, nimmt die Gefährdung der Fahrradfahrer zu, wenn
sie zwangsweise dorthin ausweichen müssen.
Fahrbahnüberquerung (Fußgänger)
Durch die in den Plänen vorgesehene Verbreiterung der Fahrbahn (derzeitige
Parkspur wird zur befahrenen Spur) wird das Überqueren gefährlicher,
was insbesondere Kinder, ältere Menschen sowie mitunter alkoholisierte
Gastronomiebesucher betrifft. Um dies zu verhindern wurde die Errichtung
von Übergangsstellen vorgesehen. Bei der Vielzahl an Geschäften
und Publikumsmagneten auf beiden Straßenseiten ist jedoch nicht
zu erwarten, dass sich die Besucher an die Überquerungsstellen halten
werden. Auch zukünftig wird die Strasse überall überquert
werden.
Verkehrsfluss (Trambahn)
Eines der Hauptargumente des Bauvorhabens betrifft den Trambahnverkehr,
aus dem der Fahrradverkehr herausgehalten werden soll. Wie oben bereits
gesagt, wird es in der Praxis auch künftig nicht zu verhindern sein,
dass sich Fahrradfahrer und ÖPNV die Fahrbahn notgedrungen teilen
müssen. Davon abgesehen wäre auf dieser kurzen Strecke (ca.
600m) auch nur eine geringfügige Zeitersparnis möglich. Nach
unserer Rechnung sind es nur wenige Sekunden. Kosten und Nutzen stehen
daher in keinem sinnvollen Verhältnis - ein geringfügiger Vorteil
für die BVG geht auf Kosten vieler anderer.
Parksituation
Das vorgestellte Konzept sieht eine massive Reduzierung der Parkmöglichkeiten
vor. An alternative Stellplätze für die überbleibenden
Fahrzeuge wurde allerdings nicht gedacht. Hier lässt sich nur konsterniert
feststellen, dass das Konzept unzureichend ist. Im Falle der Realisierung
wären chaotische Zustände vorprogrammiert.
Belastungen durch den Bau
Das vorliegende Konzept veranschlagt eine zweijährige Bauzeit. Baumaßnahmen
von diesem Umfang sind den Bewohnern/Gewerbetreibenden der Kastanienallee
schlichtweg nicht mehr zuzumuten. Nach jahrelanger Dauerbelastung durch
Sanierungen an allen Ecken und Enden sowie umfangreiche straßenbauliche
Arbeiten (wiederholte Sanierung des Gleisbettes der Tram in den letzten
Jahren) muss wieder ein "normaler" Zustand erreicht werden.
Außerdem bringt der Umbau im geplanten Umfang wirtschaftliche Nachteile
für die ansässigen Gewerbe mit sich. Gesundheits- und geschäftsschädigende
Auswirkungen werden durch den Umbauplan unreflektiert in Kauf genommen.
Kulturelle Beeinträchtigungen
Ein wesentlicher Grund für die Attraktivität der "Castingallee"
sind die breiten Gehwege. Die Straße lädt zum Verweilen und
Flanieren ein, für den Einzelhandel (Gastronomie, Modeboutiquen,
etc.) ist der Standort attraktiv und umsatzstark. Die zur Verfügung
stehende Bürgersteigfläche wird auch zukünftig in vollem
Umfang gebraucht. Eine Einschränkung dieser Räume, wie im derzeitigen
Konzept vorgesehen, wirkt sich in höchstem Maße nachteilig
auf die Kultur der Strasse aus.
Dies gilt ebenso für den mit dem Umgang mit der bestehenden Begrünung.
Und auch bei der Sanierung der Gehwegplatten besteht die Gefahr, dass
die Maßnahmen über das Ziel hinaus schießen. Die Einebnung
und Begradigung der gewachsenen Kultur zerstört den lebendigen Charakter
der Strasse.
Zusammenfassung und Forderungen
Aus oben genannten Gründen sind wir der Auffassung, dass die geplanten
Maßnahmen keine Verbesserung herbeiführen, sondern das Gegenteil
bewirken. Die wesentlichen Problempunkte sind hier noch einmal zusammengefasst:
• Für Fahrradfahrer wird das Befahren der Strasse gefährlicher.
• Für Fußgänger wird das Überqueren der Strasse
gefährlicher.
• Für den Tramverkehr käme nur eine zu vernachlässigende
Beschleunigung zustande, mit der die Vielzahl der eingehandelten Probleme
nicht zu rechtfertigen sind.
• Das Parkplatzproblem wird verstärkt, da Ausweichmöglichkeiten
nicht gegeben sind.
• Die Belastung durch die Baumaßnahmen geht über das
tolerierbare Maß hinaus.
• Ansässige Gewerbe sind von Umsatzeinbussen betroffen.
• Die Reduzierung der Gehwegfläche schadet dem kulturellen
Flair der Strasse erheblich.
Angesichts der vielen negativen Folgen und Unwägbarkeiten lehnen
wir die Umsetzung der Pläne in dieser Form entschieden ab. Dahingegen
sprechen wir uns im Wesentlichen für eine weitgehende Bewahrung des
Status Quo aus. Lediglich geringfügige Änderungen erachten wir
als sinnvoll. Wir erheben daher folgende Forderungen:
• Von einem Umbau in der geplanten Form ist gänzlich abzusehen.
• Stattdessen fordern wir die Einführung von verkehrsberuhigenden
Maßnahmen (Tempo 30, Zebrastreifen, Kinderampel).
• Die Reparatur der Gehwege ist auf das notwendige Mindestmaß
zu beschränken. Die Planung der Reparatur soll unter Bürgerbeteiligung
stattfinden.
• Wir fordern Einsicht in die Planungsakten (durch einen von uns
beauftragten Anwalt für Verwaltungsrecht).
Im Vergleich zum Vorhaben des BA sind die von uns befürworteten Maßnahmen
erheblich kostengünstiger. Nur weil Geld vorhanden ist, muss es ja
auch nicht unnötig ausgegeben werden. Sinnvoll wäre es, die
nicht benötigten Gelder dorthin zu transferieren, wo sie dringender
benötigt werden (z.B. Stadtbad Oderberger, Mauerpark).
Anmerkungen zum Verfahren
Mit der Art und Weise wie in diesem Fall seitens der Politik mit den Bürgern
umgegangen wird, können wir bis dato nicht zufrieden sein. Erst zuletzt
wurden die maßgeblichen Veränderungen öffentlich bekannt
gegeben, während zuvor allenfalls von Nebensächlichkeiten die
Rede war. So werden die betroffenen Bürger de facto vor vollendete
Tatsachen gesetzt – Bürgerbeteiligung findet nicht oder nur
scheinbar statt. Mit aufoktroyierten Konzepten und einer Informationsveranstaltung
„zum Abnicken“ fühlen wir uns als Bürger einer demokratischen
politischen Kultur schlecht behandelt.
Solches Verhalten seitens der Politik widerspricht dem modernen Demokratieverständnis,
wie es beispielsweise von der Partei Die Grünen vertreten wird (deren
Mitglied der verantwortliche Stadtrat Jens Holger Kirchner ist). In der
Hoffnung auf Besserung verweisen wir abschließend auf einen entsprechenden
Satz aus dem Grundsatzprogramm der Grünen von 2002 (S.129). Dort
heißt es:
"Ein Schlüssel für mehr Demokratie liegt in der Frage,
ob es den Parteien gelingt, sich für die Bürgerinnen und Bürger
zu öffnen, neue Beteiligungsformen aufzugreifen und sie in den politischen
Entscheidungsprozess einfließen zu lassen." |