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| Fahrpreiserhöhung verboten Neue Tarifstruktur soll erarbeitet werden. Womit Kenner des Berliner Nahverkehrs bereits gerechnet haben, ist nun amtlich. "Eine Tariferhöhung zum 1. Januar 2007 wird es nicht geben", sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) gestern. In den nächsten Monaten werde die Tarifstruktur überarbeitet, damit mehr Fahrgäste gewonnen werden können. Ideen gibt es bereits. Andreas Sturmowski, Chef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), bekräftigte seinen Wunsch nach einem neuen, attraktiven Tarif, der nur innerhalb des S-Bahn-Rings gilt. Fahrkarten für weite Strecken müssten dagegen teurer werden. Dies könnte dazu führen, dass es in Berlin deutlich mehr Tarifzonen gibt - in Form einer "Wabenstruktur". Denkbar wäre auch ein Zeittarif, der 30 oder 60 Minuten und auch für die Rückfahrt gilt. Er könnte bei den geplanten Handy-Tickets erprobt werden. Nicht ausgeschlossen sei außerdem eine Wiederauflage der 1997 abgeschafften Sammelkarte. Über diese Ideen werde mit den anderen Betrieben gesprochen. Allerdings gebe es für Tickets, die nur im City-Tarifbereich A gelten, bei der S-Bahn "keine Begeisterung". Das Wetter außerhalb des Sitzungsraums war warm, die Stimmung drinnen oft frostig. "Es ging hoch her", hieß es nach dem Gespräch, zu dem Junge-Reyer gestern geladen hatte - außer Sturmowski auch S-Bahn-Chef Günter Ruppert und Hans-Werner Franz vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Die Beschlüsse des BVG-Aufsichtsrats und des Verbund-Beirats der Verkehrsbetriebe, die Tarife zum Januar zu erhöhen, waren bei der SPD und der Linkspartei.PDS auf Kritik gestoßen - zumal sie vor Beginn der Koalitionsgespräche fielen. Deshalb verbot Junge-Reyer die Preisanhebung zum geplanten Termin. Sie sagte der Runde, Ziel müsse es sein, mehr Fahrgäste zu gewinnen. Junge-Reyer verlangte "konkrete und detaillierte" Nachweise, warum die Tarife steigen müssten. Eine Verteuerung des Einzelfahrscheins von 2,10 auf 2,30 Euro sei mit ihr nicht zu machen. Die Manager verlangten dagegen eine betriebswirtschaftliche Sicht. Die Kosten seien gestiegen. Sturmowski rechnete vor, dass die BVG für die Beseitigung von Graffiti und Vandalismus im nächsten Jahr voraussichtlich 9,8 Millionen Euro aufwenden muss - 2,5 Millionen Euro mehr als 2005. Die BVG-Ausgaben für Diesel würden um 3,8 Millionen Euro, die für Strom sogar um 5,9 Millionen Euro steigen. Dagegen blieben die Fahrgelderträge hinter dem Notwendigen zurück. Die BVG nehme bei jeder Fahrt eines Fahrgastes nur etwas mehr als 50 Cent ein - die durchschnittliche "Tarifergiebigkeit" in Deutschland betrage 81 Cent pro Fahrt. In Berlin bekämen Schüler 61 Prozent Rabatt bei der Monatskarte, Geschwister sogar 76 Prozent - üblich seien 25 Prozent. Seit 1998 seien die Tarife in Berlin um 16,7 Prozent gestiegen - in anderen Verkehrsverbünden um 27,7 Prozent. So wurden die Fahrpreise an Rhein und Ruhr in diesem Jahr sogar schon zweimal angehoben. "Dagegen haben in Berlin einige den Eindruck, als ob etwas passieren soll, das jenseits aller Vorstellungen ist", sagte Sturmowski. Die Politik fordere, dass sich die BVG selbst aus dem Sumpf zieht: "Dann muss man sie auch lassen." Er wies darauf hin, dass die jährliche Zahlung des Senats von derzeit 310 Millionen Euro 2008 auf 250 Millionen Euro zurückgeht. Obwohl die BVG-Schulden auf 740 Millionen Euro sinken, würden jährlich immer noch rund 38 Millionen Euro Zinsen fällig. Wann die Tarife nun steigen, ist unklar. Auch für den Termin April 2007 werde die Zeit knapp, hieß es. Sturmowski hofft, dass es noch vor Herbst 2007 eine "Anpassung" gibt. Je länger die Debatte dauere, desto größer werde die Gefahr, dass das geplante "Bonbon" unter die Räder kommt: Abos sollen nicht teurer werden, hieß es bisher. Doch solche Kompromisse hielten oft "nur für den Moment". Berliner Zeitung, 10.10.06 |
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| BVG verprellt Fahrgäste
und Politiker Anfang des Monats hatte sich Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) klar positioniert: Die vom BVG-Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden, dem Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) beschlossene Tariferhöhung (im Schnitt 3,4 Prozent) zum 1. Januar 2007 wird es nicht geben. Vielmehr sollen die Verkehrsunternehmen mittelfristig eine Tarifstruktur entwickeln, die Fahrgäste für den öffentlichen Nahverkehr gewinnt. Die BVG kämpft weiter um Preiserhöhung und kalkuliert bewusst mit weniger Fahrgästen. |
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