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| Mehr Lehrer für Berlin Rot-Rot will den Schulen mehr Lehrer schicken. So soll Unterrichtsausfall reduziert werden. Die Koalitionsverhandlungen haben gerade erst begonnen, aber an einer Stelle sind sich SPD und Linkspartei.PDS offenbar schon einig: Im Kampf gegen den Unterrichtsausfall müssen die Schulen schneller reagieren können. Dem Vernehmen nach sind sich die Bildungsexperten beider Parteien einig, die dauerkranken Lehrer aus der Statistik der Lehrerversorgung herauszurechnen. Bliebe es bei den übrigen Bedingungen, stünden den Schulen dadurch mehrere hundert Lehrer zusätzlich zur Verfügung - oder die entsprechende Gehaltssumme als Honorarmittel. Bislang geht die Senatsbildungsverwaltung bei der Berechnung, wie viele Lehrer für ein Schuljahr nötig sind, von der Zahl der Schüler aus. Ebenso wichtig sind die sogenannten Organisationsrichtlinien, in denen etwa die Pflichtstunden, der Teilungs- und Förderunterricht, die Klassenfrequenzen und Integrationszuschläge festgelegt sind. Am Ende der Kalkulation kommt man zu einer Lehrerausstattung, mit der zu 100 Prozent der Unterricht abgedeckt werden kann. Dann gibt es zusätzlich einen Lehrer-Zuschlag von fünf Prozent, um Pädagogen vertreten zu können, die wegen Krankheit, Fortbildung, Schwangerschaft ausfallen. Das ist die so genannte Vertretungsreserve. Diese Ausstattung mit 105 Prozent steht aber nur auf dem Papier, denn in ihr enthalten sind auch die dauerkranken Lehrer, also jene, die mehr als drei Monate lang krank sind. Derzeit sind mehr als 850 Lehrer in Berlin dauerkrank gemeldet, fast vier Prozent. Im Schnitt stehen den Schulen also tatsächlich nur knapp 102 Prozent der Lehrer zur Verfügung. Weil es regionale Unterschiede gibt, ist die Unterrichtsversorgung in vielen Schulen schon heute prekär. Verschärft wird sie dadurch, dass 60 bis 80 Lehrer jeden Monat in Pension gehen. Auch ist zu erwarten, dass beim Altersdurchschnitt von etwa 50 Jahren die Zahl der dauerkranken Lehrer zunimmt. Die Fachleute der Parteien in der Koalitionsarbeitsgruppe Bildung möchten den Schulen die Vertretungsreserve auszahlen. Statt ihnen zusätzliche Lehrerstellen zuzuteilen, sollen die Schulen Geld bekommen, und zwar im Umfang von drei Prozent ihrer Unterrichtsausstattung. Mit diesem Geld, über das die Schulleitungen verfügen können, sollen schneller und flexibler befristete Honorarkräfte angeheuert werden können. Denkbar ist auch, Teilzeit-Lehrern, die für eine bestimmte Zeit die Zahl ihrer Pflichtstunden erhöhen, mehr Geld zu geben. Die Entscheidung läge in den Schulen. Einen solchen Vorschlag hatte die Linkspartei schon zum Ende des vergangenen Schuljahres gemacht. Damals hieß es in der SPD noch, das sei zu teuer. Vor kurzem sagte SPD-Parteichef Michael Müller: "Die Schulen brauchen mehr Kompetenzen und Geld, um selbst über Vertretungen entscheiden zu können." 40 Millionen Euro dürfte die Umstellung kosten. Ob es dazu kommt, hängt vor allem von der Finanzrunde der Koalition Ende Oktober ab - nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Haushaltsnotlage-Klage Berlins. Berliner Zeitung, 10.10.06 |
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