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Klaus Wowereit langweilt sich

Klug ist das nicht, was der Regierende Bürgermeister von Berlin da treibt, knapp drei Wochen vor der Abgeordnetenhauswahl. Er wolle sich bundespolitisch stärker einmischen, er könne sich vorstellen, einer der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden zu werden, er befinde sich auf Augenhöhe mit den SPD-Bundesministern, sagt Klaus Wowereit. Offensichtlich reicht es ihm nicht mehr, Regierender Bürgermeister zu sein.

Seit fünf Jahren ist Wowereit im Amt. Einige große Aufgaben sind erledigt, anderes ist zur Routine geworden. Schon fünf Mal hat Wowereit die Berlinale eröffnet, den Rundgang auf der Grünen Woche gemacht, zig Staatsgäste im Roten Rathaus begrüßt, auch wie ein Hauptbahnhof eingeweiht wird, weiß er inzwischen. Da kann einer wie Wowereit schon auf die Idee kommen, sich eine neue Aufgabe zu suchen. Und da bleibt nicht viel: Einen Job in der Wirtschaft wird Wowereit - ehemaliger Bildungsstadtrat in Tempelhof - nicht bekommen, Lobbyisten gibt es genug. Also zieht es ihn in die Bundespolitik.

Wenn die Partei mitmacht. In der Bundes-SPD war Wowereit lange Zeit nicht gut angesehen - wegen seiner vielen Party-Auftritte, wegen der Bildung der rot-roten Koalition. Das Image hat sich etwas verbessert, weil der rot-rote Senat einige schwierige Aufgaben erledigt hat, weil die PDS in Berlin das macht, was die SPD will, weil Wowereit seit einiger Zeit weniger feiert und mehr arbeitet. Das ist gut für ihn, schlecht für die Berliner SPD im Wahlkampf: Warum soll man Wowereit für fünf Jahre wählen, wenn er sich in dem Amt langweilt?

Christine Richter, 24.08.2006
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