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Wem gehört die Stadt?
fragt das Stadtmagazin „Zitty“ - der Bevölkerung, den Politikern oder den Immobilieninvestoren?

Im Falle von "Mediaspree" hat die Bevölkerung von Kreuzberg-Friedrichshain das Mitbestimmungs-Recht an ihrer Stadt mit Hilfe eines Bürgerbegehrens gegen die "Gestaltungs- und Verwertungswünsche" der beiden anderen Gruppen dokumentiert und die bisherigen Planungen mit einer riesigen demokratischen Mehrheit abgelehnt.

Im Prenzlauer Berg sind die Anmaßungen der "Stadtentwickler" nicht weniger dreist. Jedes Wochenende kommen tausende junge Menschen aus allen Ländern Europas, Amerikas und Asiens in den Prenzlauer Berg, um den Flohmarkt im Mauerpark zu besuchen und ein kulturelles Miteinander von ganz eigener babylonischer Art zu erleben.

Der Mauerpark und der Flohmarkt sind Orte, die für das multikulturelle "Funktionieren" des Szene-Bezirks Prenzlauer Berg wichtig sind - von Montag bis Samstag trifft man diese vielen jungen Besucher der Stadt, die in den neuen zahlreichen bag-packer-Hostels von Mitte und Prenzlauer Berg logieren, besonders auch im Kiez um die Oderberger Straße/Kastanienallee.
Nicht zuletzt ist diese Gegend attraktiv, weil hier noch der anarchische und nicht-spießige Flair vom Anfang der 90er Jahre überlebt hat – anders als in vielen anderen Teilen des Prenzlauer Bergs und Mitte, die trotz aller Beteuerungen einer "behutsamen Stadterneuerungs-Politik" einer Verdichtungs- und Betonorgie zum Opfer gefallen sind:

Um den Kollwitzplatz, Senefelder Platz und Wasserturmplatz herum hat die Verspießerungs- und Kommerzialisierungspolitik im Bezirk den Charme und die Anziehungskraft für jüngere Besucher der Stadt schon längst abgetötet.

Dem Mauerpark und der Kastanienallee droht momentan, kurz vor Aufhebung des Statutes Sanierungsgebiet, existenzielle Gefahr von politischer Seite.
In der Kastanienallee möchten interessierte Kreise für 2 Millionen Euro eine Vernichtung der Straße über die Köpfe der Bevölkerung hinweg durchsetzen.

Im Mauerpark, dort wo jetzt der Multi-Kulti-Flohmarkt stattfindet, möchte das Bezirksamt Mitte eine Gewerbeansiedlung für Baumarkt und Discounter durchdrücken - und im weiteren Verlauf eine Townhouse-Siedlung bauen lassen.
Für die Fertigstellung des Parks würden dem Bezirksamt statt geplanter 10 auch nur 2 zusätzliche Hektar ausreichen.
Weil die bahneigene Immobilienverwertungsgesellschaft Vivico die Bevölkerung nicht gegen sich aufbringen wollte, hat sie die Flächen des Mauerparks vor einem Jahr taktisch geschickt an eine österreichische Immobilienfirma verkauft. Die Wiener Spekulanten sind sicherlich weniger von moralischem Druck der deutschen Bürger und Bürgerinnen zu beeindrucken, als es eine bundeseigene Firma wie Vivico ist (die auf dem Gleisdreieck in Kreuzberg einen 32 (!) Hektar großen Park und 20 Hektar Mischbebauung entwickelt).

Wem also gehört die Stadt? Die eindeutige Klärung dieser Frage duldet keinen Aufschub.

G. Schröder
16.11.08
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